Go to content

Remarks

ART/WORKS
Bemerkungen (2022)
Remarks
The trigger for this series of works was the question, raised during an intensive discussion, of what democracy actually is, and has it outlived its usefulness? Are autocratic systems more efficient?
As a convinced democrat, these questions naturally immediately interested me artistically. For me, the culture of practised democracy is the most effective way of negotiating social issues in the long term and making non-violent decisions. The living culture of a democracy goes far beyond the 51% mark; it endeavours to integrate minority positions into a majority position without drowning opposing views in compromise icing.
The first part (Democracy I-V) therefore deals with the stages of opinion-forming, starting with the loud minority, through the transformation of the minority opinion into a discussion/issue in the population, to democratic synthesis as a solution with the help of functioning parties. If this succeeds, it is always more than just a majority!

The second part focuses on some pressing issues.
Starting with "I love Europe", the political construct in which the principles of the Enlightenment are still at their most effective. Europe, conceived as a political space that includes the countries bordering the Mediterranean as well as European aspirations that extend to the borders of Russia, is the continent with the most dramatic conflicts, wars and atrocities. There seems to be fire in every corner. The upheavals of global political earthquakes are currently showing their dramatic distortions here. And yet for many, this Europe is a place of idyllic power-political seclusion. This dichotomy worries me; the continuing political stability, also in the democratic institutions, reassures me a little.

The second image is a deep bow to the courage with which women around the world must (once again) fight for their rights, their freedom and a dignified life. The previously much-cited "glass ceiling" has long since become a rock formation. Much of what seemed to have already been achieved is now being called into question again (culturally, educationally).

The two other images focus on the expropriation of our traces of life and their use. The so-called internet giants (Facebook, Instagram, WhatsApp, Google, Twitter, YouTube....) live their business models from the constant observation of their users. By monetising our privacy, they create the preconditions for an economy of attention, at the end of which is click-search and viewing behaviour that is tantamount to the expropriation of our own "search for truth" and ability to criticise and think in nuances.

The increasing state surveillance in some countries is the new Gothic cathedral: the data god sits at the top and remains invisible to the individual.

24,000 is reminiscent of the half-life of nuclear waste casks. Their storage must be guaranteed to be safe for the next 50,000 - 60,000 years. A tipping point created by humans 60 years ago in dealing with our environment. Today we are facing global tipping points with an enormous impact on our lives. The nuclear barrels, on the other hand, are a small visual analogy.

With "Beginning" (120cm x 240cm), I am thematising the issue of refugees, which dominates Europe. Large sections of the European population increasingly see refugees as nothing more than a threat. And the continuing stream of refugees is undoubtedly becoming a major challenge for the integration of these people into our society of values.
But nobody flees just for the fun of it because they are bored. Putting ourselves in the shoes of the refugees has been lost to an alarming extent.
This picture, with a view of the moving sea, captures the moment when the sea crossing begins. It is the moment of the greatest courage, the greatest uncertainty, the greatest hope and the greatest fear. It is the moment of leaving behind and the uncertainty of whether a new beginning will be possible. It is the moment of the final decision, often based on incorrect information, and often after a long period of exploitation. And with it comes the burden of many expectations that will remain unfulfilled.

PS: unfortunately, the Lord God angle with the lifejacket had to be. There are now all kinds of life jackets in an artistic context. This one was somehow still missing, also because of the current Pope.
Der Auslöser dieser Werkreihe war die, während einer intensiven Diskussion, in den Raum geworfene Frage, was Demokratie überhaupt ist, und hat sie sich überlebt? Sind autokratische Systeme leistungsfähiger?
Als überzeugter Demokrat haben mich diese Fragen natürlich sofort künstlerisch interessiert. Für mich ist die Kultur gelebter Demokratie die leistungsfähigste Form, um gesellschaftliche Fragen gewaltlos dauerhaft zu verhandeln und gewaltlos zu entscheiden. Die gelebte Kultur einer Demokratie geht weit über die 51% Marke hinaus, sie bemüht sich Minderheitspositionen in einer Mehrheitsposition zu integrieren, ohne Gegensätzliches in Kompromisszuckerguß zu versenken.
Der erste Teil (Democracy I-V) behandelt daher die Stationen der Meinungsfindung, beginnend mit der lauten Minderheit, über den Wandel der Minderheitsmeinung zu einer Diskussions/Frage in der Bevölkerung, hin zur demokratischen Synthese als Lösung mit Hilfe funktionierender Parteien. Gelingt das, ist es stets mehr als nur eine Mehrheit!

Der zweite Teil stellt einige drängende Fragen in den Mittelpunkt.
Beginnend mit " I love Europe" , jenem politischem Konstrukt, in dem die Grundsätze der Aufklärung noch am wirksamsten sind. Europa, gedacht als politischer Raum, der die ans Mittelmeer angrenzenden Länder ebenso mitdenkt, wie europäische Sehnsüchte, die bis an die Grenzen Rußlands reichen, ist der Kontinent mit den dramatischsten Konflikten, Kriegen, Grausamkeiten. An allen Ecken scheint es zu brennen. Die Verwerfungen globaler politischer Erdbeben zeigen derzeit hier ihre dramatischen Verwerfungen. Und trotzdem ist dieses Europa für viele ein Ort idyllischer machtpolitischer Zurückgezogenheit. Diese Zweiteiligkeit besorgt mich, die nach wie vor politische Stabilität, auch in den demokratischen Institutionen, beruhigt mich ein wenig.

Das zweite Bild ist eine tiefe Verbeugung vor dem Mut, mit dem Frauen weltweit (wieder) um ihre Rechte, ihre Freiheit, um ein menschenwürdiges Leben kämpfen müssen. Die früher vielzitierte "gläserne Decke" ist längst eine Felsformation. Vieles, das eigentlich schon erreicht schien, wird heute (kulturell, erziehungsbedingt) wieder in Frage gestellt.

In den zwei weiteren Bildern steht die Enteignung unserer Lebensspuren und ihre Verwendung im Mittelpunkt. Die sog. Internetriesen (Facebook, Instagram, WhatsApp, Google, Twitter, YouTube....) leben ihre Geschäftsmodelle aus der fortwährenden Beobachtung ihrer Nutzer. Mit der Monetarisierung unserer Privatheit schaffen sie die Vorraussetzungen für eine Ökonomie der Aufmerksamkeit, an deren Ende, Klick- Such- und Schauverhalten steht, das einer Enteignung von eigener "Suche nach Wahrheit" und Kritikfähigkeit und Denken in Zwischentönen gleichkommt.

Die in manchen Ländern zunehmende staatliche Überwachung  ist die neue gotische Kathedrale: Der Datengott sitzt oben und bleibt für den Einzelnen unsichtbar.

24.000 erinnert an die Halbwertszeit  atomar strahlender Atommüllfässer. Ihre Lagerung muss für die nächsten 50.000 - 60.000 Jahre garantiert sicher sein. Ein, von Menschen vor 60 Jahren geschaffener, Kippunkt im Umgang mit unserer Umwelt. Heute stehen wir vor globalen Kippunkten mit enormer Auswirkung auf unser Leben. Die Atomfässer sind dagegen eine kleine visuelle Analogie.

Mit "Beginn" (120cm x 240cm) thematisiere ich, das Europa beherrschende, Thema der Flüchtlinge. Große Teile der europäischen Bevölkerung sieht in den Flüchtlingen zunehmend nur noch eine Bedrohung. Und der fortwährende Strom an Flüchtlingen wird zwefellos zu einer großen Herausforderung für die Integration dieser Menschen in unsere Wertegesellschaft.
Nur flüchtet niemand gerade einmal so zum Spass, weil ihr oder ihm halt gerade langweilig ist. Sich in die Lage der Flüchtenden zu versetzen, ist erschreckend weit verloren gegangen.
Dieses Bild. mit Blick auf das bewegte Meer, fängt den Moment der beginnenden Meeresüberfahrt ein. Es ist der Moment des größten Muts, der größten Unsicherheit, der größten Hoffnung und der größten Angst. Es ist der Moment des Zurücklassens und der Ungewissheit, ob ein Neubeginn möglich wird. Es ist der Moment der endgültigen Entscheidung, oft auf Grundlage unrichtiger Informationen, und oft nach langer Zeit der Ausbeutung. Und im Gepäck die Last vieler Erwartungen, die unerfüllt bleiben werden.

PS: der Herrgottswinkel mit der Schwimmweste mußte leider sein. Schwimmwesten in künstlerischem Zusammenhang gibt es inzwischen ja in allen Variationen. Die hat irgendwie noch gefehlt, auch wegen des derzeitigen Pabstes.


Democracy I
Democracy II
Democracy III
Democracy IV
Democracy V
I   Europe.
Burkablau ist keine Farbe
Observo, ergo sum.
Neue Gotik
24.000
Beginn

Christian CAP
Alserstrasse 12
1090   WIEN
+43 699  12559932
christiangaborcap@gmail.com
Impressum:
Christian CAP
Alserstrasse 12
1090   WIEN
Back to content